Donnerstag, 6. Juni 2013

Philipp Weber, Essen kann jeder (Blessing Verlag)

"Er war ein schwieriger Esser"


Der Kabarettist Philipp Weber erklärt Nahrung zu seinem Programm


Auch an Kabarettisten geht das Dauerthema
Essen nicht vorbei. Schon gar nicht, wenn
es sich um einen studierten Chemiker
handelt. Philipp Weber ist soeiner, der sich
darüber so seine Gedanken macht. Er tourt mit
"Futter streng verdaulich" durch die Lande
(www.weberphilipp.de). Und macht sich
natürlich lustige Gedanken darüber. Er warnt
vor Psychofallen im Supermarkt und davor,
hungrig einkaufen zu gehen. Er plädiert für
langes Kauen contra schnelles Schlingen, wie
es in den Städten zu beobachten ist. Niemand
will schließlich den "Bockwurstbudentod" durch
Ersticken sterben. Außerdem macht eiliges
Essen dick. Dafür aber soll der Hungrige ruhig
essen, bis er satt ist. Das heißt aber nicht, sich
Teller vollzuladen, sondern mit einer Untertasse
zwanzigmal - wenn nötig - zum Buffet zu gehen.
Andere Länder, andere Sitten. Auch darin kennt
sich Philipp Weber aus. Stäbchen im Reis sind
in Japan schlimmer als eine Morddrohung. In
China gilt das Rauchen am Tisch als appetitanregend.
In arabischen Ländern sollten Gaben niemals
abgelehnt werden. In den USA wünscht man sich
keinen "guten Appetit" und erwähnt auch den Gang
zur Toilette besser nicht. In Deutschland gilt
Schmatzen im Gegensatz zu China als unfein.
Dasselbe gilt für Frankreich. Dort werden selbst
Obst und Geflügel mit Besteck verzehrt.
Bio ist in und in aller Munde, die Branche boomt.
Wahrscheinlich aufgrund der Angst vor Krankheiten.
Rinderwahn, Pferdefleisch in der Lasagne, Dioxine
in Eiern lauteten die Schlagzeilen. Philipp Weber
rät: "Machen Sie sich locker! Die Angst vor
Krankheiten ist manchmal ungesünder als die
Krankheit selbst." Er kauft keine im Fernsehen
beworbenen Lebensmittel, weil solche Produzenten
angeblich über Leichen gehen würden. Sein Arzt
meinte, dass Vitamin C nur gegen Skorbut hilft,
nicht aber vor Erkältungen. Zuviel davon scheidet
der Körper wieder aus. Omega-3-Fettsäuren sind in,
weil Polarmenschen weniger Herzinfarkte haben.
Inuit essen viel Fisch mit Omega-3. Statt dieser
Mode hinterherzulaufen, sollte sich der Einzelne
lieber auf seine Gelüste besinnen. Wenn man Lust
auf Fisch hat, wird das seinen Sinn haben. Echte
Mangelerscheinungen seien selten. Doch die Industrie
mischt zu fast allem Vitamine bei. Als ob eine
Hungersnot herrsche. Dabei ist angeblich jeder
zweite Deutsche zu dick. Dem widerspricht Philipp
Weber vehement. Er sieht eher untergewichtige
Mädchen als Problem. An Untergewicht stirbt der
Mensch schneller als an Übergewicht - sein Credo.
Philipp Weber kauft Bio bei einem Schwaben mit
Wonne. Weil es schmeckt und gut für die Umwelt
ist. Bio-Produzenten seien zudem meist sozial
engagiert. Und das gefällt dem Kabarettisten.
(c) Corinna S. Heyn

Philipp Weber,
Essen kann jeder.
Blessing Verlag, 2013.

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